Heilsame Gesten

„Der Atem ist unser größter Heiler, dann kommen die Hände!“. Dieser Satz wird Jirô Murai zugeschrieben, dem Begründer des japanischen Heilströmens. Er war überzeugt davon, dass die von ihm praktizierten Hand- und Fingerhaltungen die er von Buddhastatuen kannte, bei seiner eigenen Heilung eine wesentliche Rolle spielten.

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Mudras sind jahrhundertealte Gesten aus dem asiatischen Raum und bedeuten wörtlich übersetzt „das, was Freude gibt“. Aber auch bei uns werden bestimmte Handstellungen im Alltag ganz intuitiv eingenommen oder sogar bewusst eingesetzt. Sehr bekannt ist die Hakini-Mudra, eine kraftvolle Haltung die die Konzentration fördern und Selbstbewusstsein vermitteln soll.

Die Wirkung der manchmal auch als Fingeryoga bezeichneten Handhaltungen ist vielfältig. So können sie u.a. energetisierend oder entspannend sein, für mehr Gleichgewicht in uns sorgen, mehr Klarheit bringen sowie Gesundungsprozesse und den Umgang mit Emotionen unterstützen. Die positiven Effekte für Körper und Geist entstehen durch eine Stimulation der Tastkörperchen und energetischen Punkte in unseren Händen, die über Kanäle mit dem Nervensystem und den Organen verbunden sind. Mudras können für sich alleine in einer bequemen Körperhaltung oder begleitend bei Meditationen und Yogaübungen (Asanas und Pranayama) angewandt werden.

Eine meiner Lieblingsmudras wende ich an, wenn mir etwas im Magen liegt, der Bauch angespannt ist, ich emotional aufgewühlt, innerlich ruhelos, nicht in meiner Mitte bin.

Diese Geste entspannt und zentriert mich fast augenblicklich. Mein Fokus liegt dabei am Solar Plexus, einem hinter dem Magen liegenden strahlenförmigen Geflecht aus Fasern und Knoten des vegetativen Nervensystems.

Er ist eine wichtige Schaltstelle zwischen Gehirn und Organen, steuert den Verdauungstrakt und ist Sitz unseres Bauchgefühls. Nach der indischen Tradition ist das Sonnengeflecht dem 3. Energiezentrum zugeordnet, dem Manipura-Chakra, Ort unserer Persönlichkeit, des Selbstvertrauens, der Willensstärke und Umsetzungskraft.

Manipura bedeutet übersetzt leuchtendes Juwel oder Ort der Juwelen. So fühlt sich auch die wohlige Wärme an, die in mir während der Übung entsteht, und sich dabei wie funkelnde Sonnenstrahlen in alle Richtungen verteilt. Und oft zaubert es mir dabei ein Lächeln ins Gesicht.

Manchmal gibt es Dinge an denen man schwer zu schlucken hat, die einem im Hals stecken bleiben. Oder wir können die richtigen Worte nicht finden, uns nicht frei ausdrücken. Hier kann es helfen eine Mudra für das Kehlkopf-Chakra durchzuführen, das für Kommunikation, Ausstrahlung und Authentizität steht.

Bei mir aktiviert der Kontakt der Daumen spürbar die Lungenmeridiane, die durch den Arm bis unter das Schlüsselbein ziehen, und es lässt mich immer wieder tief durchatmen. Zusätzlich entsteht ein starkes Energiefeld im Bereich des oberen Brustbeines und an der Vorderseite des Halses, in das ich nach einiger Zeit befreiend hinein töne.

Ich liebe die Einfachheit der Handgesten, die überall durchführbar sind und finde es spannend, die individuelle Wirkung auf sich selbst zu erspüren. Dabei gibt es keine starren Regeln wie lange sie gehalten werden sollen. Wir können da ganz unserer Intuition vertrauen.

Viel Freude beim Ausprobieren 😊    
                   

Shankh Mudra
Mukula Mudra (Foto: Pixabay)
Jnana Mudra (Foto: Pixabay)
Agni Mudra