Kraftvoll durch den Winter

Das Element Wasser in der TCM

Gesundheit ist kein statischer Zustand, sondern ein dynamischer Prozess, der weit über die Abwesenheit von Krankheit hinausgeht, und mittlerweile auch in der westlichen Medizin als multidimensionales Konzept verstanden wird. Die Philosophie der Traditionellen Chinesischen Medizin bezieht seit jeher die physischen, psychischen, sozialen, ökologischen und spirituellen Ebenen in ihre Arbeit mit ein. So kann uns die 5 Elemente-Lehre einen Leitfaden bieten, selbstwirksam für unser Wohlergehen zu sorgen.

Das Yin und Yang Prinzip entspringt aus den Naturbeobachtungen im Taoismus und beschreibt die Polarität aller Dinge. Die zwei Seiten einer Sache, die wechselseitig voneinander abhängig sind, wie Tag und Nacht, Licht und Schatten, Himmel und Erde. Die Wandlungen vollziehen sich dabei nicht abrupt, sondern in Phasen, was sich z.B. gut am Aufeinanderfolgen der Jahreszeiten erfahren lässt.

In der TCM kommen diese Veränderungsprozesse in Form der 5 Elemente zum Ausdruck. Dabei sind jeder Wandlungsphase bestimmte Organe, Tages- und Jahreszeiten, Lebensphasen, Gefühle, Geschmäcker, Sinnesorgane usw. zugeordnet. Und sie stehen in Verbindung mit Meridianen, den Leitbahnen unserer Lebensenergie (Qi).

In der Natur strebt immer alles nach Ausgleich, und es sollen alle Aspekte harmonisch zur Geltung kommen. Alles ist miteinander verbunden. Nichts ist für sich alleine wirksam. In den Wandlungsphasen unterstützt ein Element das nächste und kontrolliert das übernächste. So bleibt ein Zyklus im Gleichgewicht. Gibt es genügend Wasser, nährt es das Holz. Geht es der Leber gut, freut sich das Herz. Unausgeglichenheit entsteht dann, wenn wir ein Element überbetonen, z.B. wenn auf Aktivität keine Ruhe mehr erfolgt oder Chaos sich nicht mehr ordnet.

Das Element Wasser ist der Ursprung allen Lebens. Ihm zugeordnete Organe sind die Blase und die Nieren, welche in der TCM als Wurzel des Lebens bezeichnet werden. Sie sind der Speicherplatz der angeborenen Lebensenergie, und stehen für unser Fundament und unsere Konstitution.

Wir können uns fragen: Bin ich gut verwurzelt, kraftvoll und lebendig? Bin ich ausreichend versorgt und fühle mich vital genug? Oder fahre ich mit dem Reservetank?

So wie eine Welle zwischen treibender Kraft und ruhigem Fließen wechselt, ist für unsere Gesundheit eine harmonische Balance zwischen Aktivität und Ruhe wichtig. Der Winter ist die Zeit des Wasserelements. Und so lädt uns besonders die dunkle Jahreszeit ein, vom geschäftigen Tun eine Pause einzulegen, innezuhalten und unsere Batterien wieder aufzuladen. Aus Sicht der Chinesischen Medizin können wir u.a. mit Hilfe von Atmung, Bewegung und Akupressur unsere ererbte Energie stärken und solange wie möglich erhalten.

Nieren und Blase mögen es warm, und sollten gut vor Kälte geschützt werden. Denn ist die Nierenenergie beeinträchtigt schwächt es auch die Lendenregion und Beine, und somit unsere Standfestigkeit. Wir können das Nierenfeuer entfachen, in dem wir im Stehen oder Sitzen mit beiden Handrücken rechts und links neben der Wirbelsäule zwischen Rippen und Becken auf und ab reiben. Diese Übung wärmt, harmonisiert den Blasenmeridian und schenkt uns frisches Qi.

In der TCM heißt es, die Nieren öffnen sich in die Ohren. Eine einfache Übung um sich selbst Energie zu spenden ist, die Handflächen aneinanderzureiben, die hohlen Hände sanft auf die Ohren zu legen und dort die Energie hineinfließen zu lassen.

Dem Element Wasser sind die Emotion Angst sowie die Knochen und Zähne zugeordnet. Wir kennen den Ausdruck, wenn uns etwas in die Knochen fährt, wir vor Angst in die Hose machen, uns etwas an die Nieren geht oder in Mark und Bein erschüttert. Über die Sprache wird vom Körper sehr anschaulich signalisiert, wenn etwas unsere Harmonie stört. Oder die Energie raubt, und wir nur noch am Zahnfleisch gehen.

Anhaltender Stress schwächt Nieren und Nebennieren. Über die Atmung können wir unterstützend einwirken. Im aufrechten Sitz wird eine Hand wird auf den Rücken in Höhe der unteren Rippen gelegt. Die Handfläche zeigt dabei vom Körper weg. Der andere Arm wird nach vorne bis zur Waagrechten angehoben und die Finger etwas aufgerichtet, sodass die Handfläche nach vorne weist. Dann lassen wir den Einatem entspannt durch die Nase in den Körper einströmen, und atmen ohne anzuhalten vollständig durch den Mund wieder aus. Wir versuchen dabei den Ausatem immer länger werden zu lassen. Nach einigen Atemzügen die Position der Arme wechseln.

Mit Hilfe der Akupressur des Punktes Niere 1 („Sprudelnde Quelle“) können wir in zweierlei Hinsicht Ausgleich schaffen. Bei Müdigkeit und Energielosigkeit wirkt er belebend, bei Unruhe, Schlafstörungen oder Kopflastigkeit beruhigt er und bringt Erdung. Mit Hilfe des Daumens massieren wir dabei die Vertiefung zwischen Klein- und Großzehenballen mit kreisenden Bewegungen.

Foto: Pixabay

Eine Stärkung und Unterstützung des Energieflusses können wir auch über die Dehnung von Blasen- und Nierenmeridian erfahren. Im Stehen verschränken wir unsere Finger zu einer Schale und lassen die Hände langsam über den Kopf nach oben steigen, bis die Arme gestreckt sind. Die Handflächen zeigen dabei zur Decke, so als wollten sie den Himmel stützen, und wir spüren in die Dehnung der Körpervorderseite hinein. Anschließend neigen wir den Oberkörper bei gestreckten Knien nach vorne zum Boden, die Handflächen zeigen nun nach unten, der Kopf darf entspannt hängen. Die dabei entstehende Dehnung in Rücken und Beine darf intensiv aber nicht schmerzhaft sein, und sollte bei akuten und ungeklärten Beschwerden der Wirbelsäule nicht durchgeführt werden! Zum Abschluss beugen wir etwas die Knie und rollen uns Wirbel für Wirbel langsam in den aufrechten Stand zurück. Diese Übung kann mehrmals wiederholt werden.

Im chinesischen Kalender dauert der Winter von Mitte November bis Ende Januar, und nach einer etwa 18-tägigen Zwischenzeit beginnt der Frühling, in dem das Element Holz mit seinem Schwung neues Wachstum unterstützt.

Sie möchten gerne mehr zum Thema Selbsthilfeübungen wissen? Gerne biete ich Einzelsettings und Gruppenkurse dazu an.